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Manifesto

Weine und Weinbauern im ehemaligen Habsburger Reich

Am Anfang dieses Projekts stand eine Reise, was durchaus nicht selten vorkommt, und zwar eine Fahrradtour von Trient nach Schlesien; die Route führte von Süden allmählich nach Norden durch verschiedene Länder, die vor dem Ersten Weltkrieg im Habsburger Reich vereint waren.

Ebenso wie in der Vergangenheit gab es auch diesmal keine Grenzen, die unsere Fahrt in irgendeiner Weise behinderten oder gar einschränkten: die europäische Einigung verbindet heut zu Tage die Bevölkerungen dieser Länder.

Vor nahezu 100 Jahren hat der Wahnsinn des Ersten Weltkrieges Europa zerrissen und dieser Teil von Europa war davon besonders betroffen.

Die einzelnen Länder haben daraufhin unterschiedliche Wege beschritten: die politische Landkarte hat sich verändert, und zwar mit neuen Grenzen, die unüberwindbar schienen. Änderungen in der Militärstrategie sowie die Unverzichtbarkeit des Friedens als einzige Alternative haben die begrenzte Wirkung geografischer Barrieren deutlich gemacht.

Zu keiner Zeit haben Kultur und Tradition vor derartigen Grenzen Halt gemacht, wie auch wir mit eigenen Augen feststellen konnten, als wir mit den Menschen sprachen, aßen und tranken. Der Wein mit seiner besonderen Prägung und Charakterisierung der dort lebenden Menschen hat uns auf einzigartige Weise die enge Verbindung von Mensch und Territorium in dieser großen europäischen Region mit Bergen, Höhen und Tälern gezeigt.

Die gleichen Weinstöcke, die man im Trentino kaum mehr kennt, sind z.B. in Mähren weit verbreitet und geschätzt: ihre Wertschätzung beruht nicht auf sinnlosen Anstrengungen gewisser eigenwilliger Weinbauern, sondern ist das Ergebnis gezielter notwendiger Maßnahmen in der Weinwirtschaft.

Territoriale Identität und Authentizität, nachhaltiger Anbau sowie grundsolide Kellereitechniken ohne zweifelhafte Zusätze kennzeichnen den Wein heute und in Zukunft.

Die Welt ändert sich ständig und die Welt des Weines bleibt davon nicht unberührt: was vor wenigen Jahren unbestritten war, wird heute in Frage gestellt und verändert. Gegenüber der Globalisierung mit ihrer Standardisierung und Austauschbarkeit der Produktionsverfahren stellen wir auf lokaler Ebene eine genau entgegen gerichtete Bewegung fest, die auf eine Stärkung der kulturellen Identität zielt. Damit sich hieraus nicht nur ein steriler Lokalpatriotismus entwickelt, wird die Förderung von Kontakten und Vergleichen immer dringlicher. Genau hier setzt unser Projekt an, und zwar ohne nostalgische Rückfälle in die Vergangenheit.

Imperial Wines bietet einen virtuellen Raum, in dem die einst im Habsburger Reich vereinigten Weinbauern sich kennenlernen und Erfahrungen austauschen. Er ist offen, auf eine aktive Beteiligung ausgerichtet und bietet Mittel für Analysen und fachliche Informationen. Zugleich dient er als Forum für die Weitergabe von Erfahrungen, Geschichten und Lokalnachrichten sowie die Entwicklung einzelner Betriebe, das heißt ein Medium für die reale Welt..